Der
Proteinstoffwechsel
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Basiskenntnisse |
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Die Proteinverdauung |
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Homöostase der Aminosäuren |
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Die Regulation des Proteinstoffwechsels |
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Der Aminosäure-Pool und seine Regulation |
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Der Proteinumsatz |
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Stickstoffausscheidung und Stickstoffbilanz |
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Ernährung und Proteinstoffwechsel |
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Der Bedarf an essentiellen Aminosäuren |
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Die Proteinqualität |
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Die Verfügbarkeit von Aminosäuren aus der Nahrung |
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Zusammenfassung und Kommentare |
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Um den
Proteinstoffwechsel zu verstehen, bedarf es gewisser Basiskenntnisse:
Protein ist Eiweiss, der
Baustoff unseres Körpers schlechthin. Die Einzelbausteine eines Proteins nennt
man Aminosäuren (AS). Das sind Verbindungen, die zwei charakteristische
funktionelle Gruppen besitzen, eine Amino-Gruppe (NH2) anstelle von
Wasserstoff sowie eine Carbonsäure-Gruppe (COOH). Es sind also Carbonsäuren
mit einer Aminogruppe.
Es gibt 20 AS, von denen 8
essentiell sind. Das bedeutet, dass diese unentbehrlichen AS, die nicht durch körpereigene
Biosynthese erzeugt werden können, mit der Nahrung aufgenommen werden müssen.
Obwohl nur 20 AS am Aufbau der Körperproteine beteiligt sind, unterscheiden
sich die Proteine von Mensch zu Mensch und sogar von Organ zu Organ. Die
Kombinationsmöglichkeiten der AS ergibt die utopisch hohe Zahl von 24 x 1018!
Strukturell kann man
aliphatische AS, zu denen auch die verzweigtkettigen AS gehören, von
aromatischen AS unterscheiden. Funktionell unterscheidet man die
glucoplastischen AS, die in Glucose umgewandelt werden können, von den
ketoplastischen AS, die in Ketonkörper umwandelbar sind.
Nach Aspekten der Biosynthese unterscheidet man die essentiellen von den nicht essentiellen AS (s.o.). Essentiell sind die sog. verzweigtkettigen AS Valin, Leucin, Isoleucin (die v.a. für den Muskelstoffwechsel wichtig sind), weiters Lysin, Phenylalanin, Tryptophan, Methionin und Threonin. Bedingt essentiell sind weiters Cystin, Arginin und Histidin.
Die Proteinverdauung
Die Proteinverdauung beginnt
im sauren Milieu des Magens. Die im Magensaft inaktiven Enzymvorstufen (Pepsinogene)
werden unter Einwirkung der Salzsäure bei einem pH Wert von 2 - 4 in das aktive
Verdauungsenzym Pepsin umgewandelt. Diese endogene Protease spaltet die
Nahrungsproteine in länger Bruchstücke (Polypeptide und Oligopeptide).
Der Eiweiss-teilverdaute
Speisebrei wird aus dem Magen, der als Reservoir dient, in regelmässigen Abständen
portionsweise in den Dünndarm weitergeleitet, wo die Verdauung durch die
alkalischen Enzyme der Bauchspeicheldrüse (Pancreas) vervollständigt wird,
indem die im Magen entstandenen Poly- und Oligosaccharide durch die Enzyme
Trypsin und Chymotrypsin weiter aufgespaltet und schliesslich die aufgeschlüsselten
Nährstoffe in Form von freien Aminosäuren, Di- und Tripeptiden resorbiert
werden. Dieser Vorgang ist nach ca. drei Stunden zu ca. 75% abgeschlossen, der
“Rest“ braucht etwas länger, was v.a. damit zusammenhängt, dass
pflanzliche Proteine nicht so leicht bzw. schnell resorbiert werden können als
tierische. Auch wenn der Grossteil der Verdauungs- und Resorptionsarbeit von
Proteinen nur drei Stunden dauert, heisst das nicht, dass man als Sportler alle
drei Stunden Protein zuführen muss, denn es besteht trotzdem immer ein gleichmässiger
Blutspiegel an AS (s.u.), der die Versorgung der Muskulatur gewährleistet und
somit den AS-pool nie “leer“ werden lässt. Abgesehen davon finden
Verdauung, Resorption und Verwertung der Nahrung praktisch rund um die Uhr
statt: Der Mensch ist ein “postprandiales Wesen“ (post=nach, prandial=das
Essen betreffend bzw. während der Mahlzeit) und eigentlich nie wirklich nüchtern!
Auch die übliche Nachtruhe ist zu kurz, um ein “Aushungern“ des Organismus
zu bewirken (Das Provozieren einer extremen katabolen Stoffwechselsituation wie
bei “Nulldiät“ und “Heilfasten“ ist medizinisch abzulehnen und sollte
im Sport ohnehin kein Thema sein).
Unter normalen
physiologischen Bedingungen wird Muskeleiweiss nicht zur Energiegewinnung
herangezogen. Mit anderen Worten, die Befürchtung vieler Athleten, ihre
aufgebaute Muskelmasse wieder zu “verlieren“, wenn sie nicht eine bestimmte
Ernährung befolgen, ist unbegründet. Im Gegenteil, gerade in der Zeit zwischen
den Trainingseinheiten, also in der Regenerationsphase, erfolgt die
Superkompensation, sprich nicht nur die Kompensation der bei intensivem Training
bedingten vorübergehenden katabolen Stoffwechselsituation, sondern eine anabole
Reaktion sogar darüber hinaus als physiologische Adaptation auf den gesetzten
Trainingsreiz. Diese Superkompensation bedeutet u.a. auch eine
Proteinneusynthese und somit Muskelaufbau, der auch bei konventioneller
Nahrungszufuhr gewährleistet wird.
Für eine Muskelhypertrophie
ist in erster Linie das Setzen entsprechend effektiver Trainingsreize
entscheidend, die Ernährung hat nur unterstützende Wirkung. Somit darf ihre
Bedeutung nicht überbewertet werden, wie es erfahrungsgemäss im Bodybuilding
der Fall ist.
Homöostase der Aminosäuren
und Transport zwischen den Organen
Das Blut transportiert die
AS zwischen den einzelnen Organen. Dabei wird der unregelmässige,
“stossartige“ AS-Zustrom nach der Nahrungsaufnahme durch
Regulationsmechanismen ausgeglichen, sodass immer ein gleichmässiger
Blutspiegel an AS resultiert. Das Zentrum für diese Regulation ist die Leber,
die Schwankungen der AS-Konzentration im Blut mittels Abbau und Umbau von AS
sowie durch Proteinsynthese ausgleicht.
Der Proteinstoffwechsel wird
durch die aktuelle Verfügbarkeit von AS und durch hormonelle Regelkreise
geregelt. Das Muster an Plasma-AS zeigt keine Proportionalität zum AS-Muster
der Nahrungsproteine und Gewebeproteine, das hängt mit Unterschieden im
Stoffwechsel und im Transport der einzelnen AS zusammen. Bereits bei der
Resorption werden z.B. die Dicarbonsäuren Glutaminsäure und Asparaginsäure
zum größten Teil metabolisiert, sodass im Pfortaderblut wenig Dicarbonsäuren
und mehr Glutamin und Asparagin vorhanden sind.
Die Leber gibt v.a.
verzweigtkettige AS (Valin, Leucin, Isoleucin) ab, die sich dann in der Skelet-
und Herzmuskulatur sowie im Gehirn und der Niere anreichern. Damit wird
ersichtlich, dass die verzweigtkettigen AS eine grosse Bedeutung für den
Muskelstoffwechsel haben. In der Postabsorptionsphase kommt es zu einer
Freisetzung von v.a. Alanin und Glutamin aus der Muskulatur, gleichzeitig nimmt
die Leber und der obere Verdauungstrakt AS auf. Letzterer nimmt Glutamin auf und
setzt dafür Alanin frei. Dieses, wie auch das von der Muskelzelle freigesetzte
Alanin, wird von der Leber aufgenommen. Die Leber nimmt auch Glutamin aus der
Muskulatur auf, weiters alle anderen glukoplastischen AS. Auch die Niere nimmt
Glutamin auf und kann diese zur Gluconeogenese verwenden.
An der Regulation des absorptiven und postabsorptiven Aminosäureflusses sind
die Peptidhormone Insulin und Glucagon beteiligt. Manche AS, v.a. Arginin und
die verzweigtkettigen AS stimulieren die Insulinsekretion. Andere AS wie
Asparagin, Glycin, Serin und Cystein stimulieren die Sekretion von Glucagon.
Insulin fördert u.a. die Aufnahme von AS in die Muskelzellen und damit die
Muskelproteinsynthese. Glucagon hingegen fördert die AS-Aufnahme in die Leber
und stimuliert die Gluconeogenese. Beide Hormone verhindern somit einen übermässigen
Anstieg der Plasma-AS nach ihrer Resorption, wodurch unnötige Verluste über
den Harn vermieden wird.
Die Regulation des
Proteinstoffwechsels
Der Proteinstoffwechsel
reguliert die Proteinmengen der verschiedenen Körperkompartimenten:
1. Die aufgenommenen Aminosäuren
(AS) werden dem Aminosäurepool zugeführt und zum Teil für den Neuaufbau körpereigener
Proteine verwendet. Ein Teil der AS im AS-Pool stammt aus dem katabolen
Stoffwechsel der Gewebeproteine, auch diese AS können für die
Proteinneusynthese verwendet werden.
2. Ein Teil der AS im
AS-Pool unterliegt dem katabolen Stoffwechsel. Nach Desaminierung wird das
Kohlenstoff (C)-Gerüst letztendlich zu CO2 und H2O unter
Freisetzung von Energie oxidiert oder durch Umwandlung als Glykogen oder Fett
gespeichert. Aus dem AS-Stickstoff entsteht Harnstoff.
3. Einige AS werden für die
Synthese verschiedener stickstoffhältiger Verbindungen herangezogen, wie
Kreatin und Purinbasen. Deren typischen stickstoffhältigen
Ausscheidungsprodukte sind Kreatinin und Harnsäure. Weiters können durch Übertragung
von Aminogruppen anderer AS auf ein im Intermediärstoffwechsel gebildetes C-Gerüst
nicht essentielle AS hergestellt werden.
Der Aminosäure-Pool und
seine Regulation
Die mit der Nahrung
aufgenommenen Proteine werden im Verdauungstrakt hydrolysiert und in Form von
freien AS resorbiert, also in den Blutkreislauf aufgenommen und gelangen in
weiterer Folge in interstitielle (Bindegewebe) und intrazelluläre Speicher. Nur
0.05% aller im Körper vorkommenden AS liegen in freier Form vor.
In den Zellen liegt eine
viel höhere Konzentration an AS als im Plasma vor. Die höchste Konzentration
von z.B. Glutamin findet sich in den Muskelzellen. Die Zusammensetzung der
freien AS in den verschiedenen Geweben ist unterschiedlich. Darüber hinaus
variiert die Zusammensetzung des AS-Pools als auch die Konzentration einzelner
AS von Spezies zu Spezies. Deshalb ist es auch nicht zulässig, Daten aus
Tierversuchen auf den Menschen zu übertragen.
Die Skelettmuskulatur ist
das grösste Reservoir für jede AS. 70-80% des freien AS-Pools befinden sich in
der Muskulatur, während die freien AS im Plasma nur einen geringen Anteil am
Gesamtpool haben. Eine genaue Aussage über Veränderungen des freien AS-Pools
oder über intrazelluläre AS-Konzentrationen ist über die im Plasma vorhandene
Konzentration nicht möglich. Die Grösse des intrazellulären AS-Pools ist
jedoch direkt messbar. Nicht nur die Ernährung, auch Alter, Geschlecht sowie
Krankheit sind Faktoren, die die Zusammensetzung des freien AS-Pools
beeinflussen.
Der Proteinumsatz
Unter Proteinumsatz versteht
man sowohl die Synthese als auch den Abbau von Proteinen. Normalerweise besteht
ein “Steady State“, also ein Fliessgleichgewicht und die Syntheserate hält
sich mit der Abbaurate die Waage.
Wenn wir von einem ca. 70 kg
schwerer Mensch in den westlichen Industriestaaten ausgehen, so führt dieser
eine Proteinmenge von ca. 100 Gramm Protein pro Tag zu. Dazu kommen noch ca. 70
Gramm Eiweiss, die vom Darm sezerniert werden. Von diesen 170 Gramm Protein
werden ca. 160 Gramm resorbiert, der Rest wird mit dem Stuhl ausgeschieden.
Der durchschnittliche Umsatz
(turnover) an Körperprotein beträgt 300 - 400 Gramm pro Tag. Die Differenz
zwischen Proteinzufuhr und -umsatz beweist die Wiederverwertung der im
Proteinstoffwechsel freigewordenen Aminosäuren. Der hohe Proteinumsatz wird vor
allem durch die tägliche Erneuerung der Zellen der Darmschleimhaut, den
Muskelstoffwechsel, dem Ab- und Aufbau von Plasmaproteinen sowie auch von der
Bildung von Hämoglobin und der weissen Blutkörperchen bestimmt. Er hängt natürlich
auch vom Ernährungszustand ab und kann zur Beurteilung einer Unterernährung
herangezogen werden (Plasmaproteine mit hoher Umsatzrate wie z.B. Präalbumin).
Der Proteinstoffwechsel ist
natürlich auch von den im AS-Pool verfügbaren Aminosäuren abhängig.
Theoretisch sind im Gesamtkörperpool ausreichend freie AS für eine 8-stündige,
normal ablaufende Proteinsynthese vorhanden. Allerdings bestehen Unterschiede in
der Verfügbarkeit einzelner AS, die bei der Berechnung des wahren
Protein-Turnovers berücksichtigt werden müssen. Die limitierenden AS in den
Zellen sind die verzweigtkettigen und die aromatischen AS. Eine kontinuierliche
Proteinsynthese ist somit nur durch die Kompensation zwischen den verschiedenen
Geweben möglich.
Stickstoffausscheidung
und Stickstoffbilanz
Die Endprodukte des
Stickstoffmetabolismus werden mit dem Urin ausgeschieden. Nicht resorbierbares
Nahrungseiweiss und ein kleiner Teil der in den Darm sezernierten Proteine
(siehe oben) werden mit dem Stuhl ausgeschieden. Auch mit Hautpartikeln, Haaren,
Sperma und Menstruationsblut verliert der Körper geringe Mengen an
Eiweiss-Stickstoff. Im Urin findet sich Stickstoff vor allem als Harnstoff (80
– 85% des gesamten Stickstoffs), aber auch als Kreatinin, Ammoniak und Harnsäure.
Bei einer verminderten Proteinaufnahme verringert sich auch die Harnstoffmenge
im Urin.
Ernährung und Proteinstoffwechsel
Der Mindestbedarf an Protein
kann geschätzt werden, indem die gesamten Stickstoffverluste während einer
proteinfreien Diät gemessen werden. Es wird angenommen, dass diese Verluste dem
Bedarf entsprechen. Dabei gehen die Faktoren des obligatorischen täglichen
Stickstoffverlustes (Harn: 37mg/kg, Stuhl: 12mg/kg, Haut 5-8mg/kg, sowie andere
kleine Verluste) in die Berechnung mit ein. Insgesamt ergibt sich ein täglicher
Verlust von 54mg Stickstoff bzw. 340mg Protein pro kg Körpergewicht.
Entsprechend der 1985 von der WHO vorgeschlagenen 30%igen Erhöhung der
Proteinzufuhr errechnet sich somit eine Mindestmenge von 450mg, also 0.45 Gramm
pro kg Körpergewicht. Diese Empfehlung wird heute von den meisten nationalen
und internationalen Kommissionen bestätigt.
Eine andere Möglichkeit,
den täglichen Proteinbedarf abzuschätzen, ist die Ermittlung der Menge an
Proteinstickstoff, die gerade noch für eine ausgeglichene Stickstoffbilanz
sorgt. Von allen untersuchten Proteinen wurde hiefür die gleiche Menge, nämlich
0.4 g/kg benötigt (ausgenommen das minderwertige Weizengluten, wovon 0.66 g/kg
nötig war).
1985 wurde von der WHO der
Begriff des “safe intake“ geprägt, also die Sicherung einer ausreichenden
Versorgung mit Aminosäuren, nachdem in Studien die Mindestmenge eines
hochwertigen Proteins zur Erhaltung einer ausgeglichenen Stickstoffbilanz direkt
ermittelt wurde. sie betrug für den jungen Erwachsenen 0.6 g/kg Körpergewicht.
Durch einen “Sicherheitszuschlag“, der individuelle Schwankungen ausgleichen
sollte, erhöht sich der “safe intake“ auf 0.75 g/kg. Auch für alle anderen
Altersstufen wurden auf diese Weise der Mindestbedarf an Protein festgelegt. Den
höchsten Proteinbedarf hat ein Säugling im ersten Lebensmonat mit 2.4 g/kg.
Mit zunehmendem Alter verringert sich der Proteinbedarf, wobei der Bedarf älterer
Menschen noch nicht ausreichend erforscht ist. Erwachsene verlieren zwischen dem
25. und 65. Lebensjahr ca. 20% ihres Körperproteins, das entspricht dem Verlust
von ca. ein Prozent der bestehenden Muskelmasse pro Jahr. Ob sich durch
Proteinzufuhr der Alterungsprozess verlangsamen lässt, ist noch unklar. Eines
steht jedoch fest: Ein Abbau von Muskelmasse kann mittels regelmässiger körperlicher
Aktivität und v.a. durch Krafttraining verhindert werden, selbst in höherem
Alter.
Der Bedarf an essentiellen Aminosäuren
Früher wurde der Bedarf an essentiellen AS über die Stickstoffbilanz
bestimmt. Heute kann man diesen Bedarf über die Blutspiegel von AS ermitteln,
indem man Veränderungen nach Zufuhr unterschiedlicher Mengen essentieller AS im
Plasma und intrazellulären Raum berücksichtigt. Die Bedarfswerte der einzelnen
AS sind mittlerweile gut erforscht, und zwar für alle Altersgruppen beiderlei
Geschlechts. Wie bereits erwähnt, ist der Proteinbedarf beim Säugling am höchsten
und fällt mit zunehmendem Alter kontinuierlich ab. Interessant dabei ist die
Tatsache, dass der Bedarf an essentiellen AS stärker abnimmt als der an
Gesamtprotein. Beträgt der Anteil an essentiellen AS beim Kleinkind noch 43%
des Gesamtproteinbedarfs, so verringert er sich bei älteren Kindern auf 36% und
schliesslich auf 20% bei Erwachsenen. Somit ist es möglich, Eiklar oder ein
anderes biologisch hochwertiges Protein, das die essentiellen AS “im Überfluss“
enthält, mit nicht essentiellen AS, also biologisch weniger wertvollen
Proteinen, oder auch mit Ammoniumsalzen zu “verdünnen“, um das
Gleichgewicht der Stickstoffbilanz aufrechtzuerhalten.
Die Proteinqualität
Nährstoffanalysen und Nährwerttabellen geben den Proteingehalt in Gramm pro 100 Gramm Nahrungsmittel an. Daraus lässt sich auch der Energiegehalt des Proteinanteils bezogen auf den Gesamtenergiegehalt des Nahrungsmittels errechnen (1 g Protein liefert ca. 4.2 kcal). Eine ausgewogene Ernährung sollte 10 bis 15% der Energie in Form von Protein liefern. Allerdings sagt die Angabe des Proteinanteils eines Nahrungsmittels allein nichts über dessen Qualität aus.
Man kennt heute die Menge an essentiellen AS eines Nahrungsproteins, die für eine vollständige Verwertung dieses Proteins zur Synthese von Körperprotein notwendig ist. Dieses sog. AS-Referenzmuster dient als Standard zur Beurteilung der Qualität von Nahrungsproteinen. Kennt man den Gehalt eines Proteins an essentiellen AS, kann man dessen “Nährwert“ gut abschätzen. Vereinfacht ausgedrückt, kann man sagen, dass ein Protein biologisch umso hochwertiger ist, je mehr essentielle AS es enthält. Die biologische Wertigkeit gibt an, wieviel Gramm Körpereiweiss durch 100 Gramm Nahrungsprotein aufgebaut werden kann. Anders ausgedrückt, wieviel vom resorbierten Protein im Körper “behalten“ wird. Wenn man die Verdaulichkeit ausser acht lässt, misst man also das zurückbehaltene Protein im Verhältnis zum verzehrten Protein. Diesen Index nennt man NPU = “net protein utilization“.
Angaben zur biologischen Wertigkeit der Nahrungsproteine finden sich
anhand einschlägiger Tabellen. Eiprotein dient als Referenzprotein und hat die
biologische Wertigkeit von 100, gefolgt von Milch und Fleisch usw. Tierisches
Protein ist prinzipiell biologisch hochwertiger ist als pflanzliches. Die
Steigerung der biologischen Wertigkeit über 100 durch Kombination von
Nahrungsmitteln (klassisches Beispiel: Ei plus Kartoffel) ist aber nur
theoretischer Natur – mehr als eine 100%ige Verwertung von Nahrungsprotein ist
nun mal nicht möglich! Beim Erwachsenen wird die Proteinqualität anhand der
Stickstoffbilanz beurteilt, bei Kindern anhand von Stickstoffretention und
Wachstum bzw. Gewichtszunahme (PER = protein efficiency ratio). Dieser Wert kann
aber durch Fett- oder Wassereinlagerung verfälscht werden.
Die Verfügbarkeit von Aminosäuren aus der Nahrung
Die biologische Verfügbarkeit von Aminosäuren kann unter Umständen
niedriger sein, als die Ergebnisse der biochemischen Analysen erwarten lassen.
Hitzebehandlung, Lagerung und beeinträchtigte Proteinverdauung können sie
verringern. Chemische und physikalische Reaktionen können einen Verlust an
essentiellen AS bedingen und deren Verwertung durch ein Übermass an anderen AS
beeinträchtigt werden. Dieses “Zuviel“ kann zu Effekten führen, die sich
in Toxizität, Antagonismus und Imbalanz einteilen lassen. Unter “Aminosäuretoxizität“
versteht man negative Auswirkungen der Überdosierung einzelner AS. Die
“toxische“ Dosis hängt von der einzelnen AS ab, die höchste Toxizität
haben Methionin und Tyrosin.
“Aminosäureantagonismus“ bedeutet die Wechselwirkung strukturähnlicher AS,
wenn eine durch den Überschuss einer AS bedingte Wachstumsminderung durch
Zufuhr der anderen AS gemindert werden kann. Dies betrifft v.a. die
verzweigtkettigen AS Valin, Leucin und Isoleucin.Der Begriff der “Aminosäureimbalanz“
wird verwendet, wenn ein geändertes Verhältnis der AS untereinander eine
Wachstumsminderung bedingt. Durch Zufuhr der limitierenden essentiellen AS kann
die Imbalanz behoben werden. Es soll an dieser Stelle betont werden, dass eine
Ernährung, die ausreichend hochwertige Proteine enthält, auch im
Leistungssport sowie im Bodybuilding eine adäquate Versorgung des
Muskelstoffwechsels, auch zur Erzielung einer positiven Stickstoffbilanz im
Sinne einer Muskelhypertrophie gewährleistet. Gelegentlich mag eine zusätzliche
Proteinzufuhr mit Hilfe von Konzentraten, vorzugsweise aus Milch- oder
Molkeeiweiss hergestellt, von Nutzen sein. Die Zufuhr von Aminosäuren bietet
jedoch keinerlei Vorteile, wie wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt haben.
Zusammenfassung
Die Physiologie des Proteinstoffwechsels gilt für jeden Menschen, somit auch für den Kraftsportler oder Bodybuilder. Der einzige Unterschied zum “Normalverbraucher“ liegt im gesteigerten Proteinumsatz und im erhöhten Proteinbedarf, grundsätzlich jedoch nicht in einem anderen Ernährungsmodus.
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