Weitere Infos zu Creatin
Creatin und
die Muskelproteinsynthese
Creatin ist bereits seit Jahren bekannt für seine ausgeprägte Wirkung auf die
Muskelkraft und eine beliebte Nahrungsergänzung für unzählige Athleten vieler
Sportarten. Die Höhe des Insulinspiegels scheint großen Einfluss auf die
Resorption des Creatins zu haben, sodass man schlussfolgern kann, dass ein Getränk
aus Proteinen, Aminosäuren und Kohlenhydraten, dass einen hohen Insulinausstoss
aber einen vergleichsweise geringen Anstieg des Blutzuckerspiegels bewirkt, der
optimale Partner für Creatin Monohydrate ist.(1)
Die Frage mit der sich die wissenschaftliche Diskussion derzeit beschäftigt
ist, ob Creatin auch die Muskelproteinsynthese zu steigern in der Lage ist.
Aktuell scheint es eher so auszusehen, also ob eine anabole Wirkung der
Creatinsupplementierung zu verneinen ist.
In einer Studie an der McMaster Universität in Hamilton, Ontario, Kanada wurden
zwei Gruppen Sportler, die entweder einen Kohlenhydratdrink mit 10 g Protein
oder mit 10 g Creatin zu sich nahmen, bezüglich Kraft und Gewichtszunahme überprüft.
Nach acht Wochen konnte bei der Creatingruppe eine Gewichtszunahme von 5 % im
Vergleich zu nur 2 % bei der Proteingruppe festgestellt werden. Leider bleibt
der Versuchsaufbau die Untersuchung der Körperkomposition schuldig. Es ist aber
davon auszugehen, dass ein Grossteil des Gewichtszuwachs aus der mit der
Creatinsupplementierung einhergehenden Zellhydrierung zusammenhängt.
Erstaunlicherweise konnte der Versuch keine Unterschiede in der
Kraftsteigerung zwischen den Gruppen feststellen. Dies ist aber möglicherweise
durch die fehlende Übersättigung der Creatinspeicher im Muskel zu erklären.
Eine Einmaldosis von 10 g scheint also auch bezüglich Kraftaufbau nutzlos zu
sein. Man muss unterstellen, dass ein Versuchsaufbau mit der üblichen Auflade-
und Erhaltungsphase andere Ergebnisse gebracht hätte. (2)
Eine andere Studie kam zu einem eindeutigeren Ergebnis. 27 Männer und Frauen,
die entweder 12 Tage lang eine typische Creatinkur mit Auflade- und
Erhaltungsphase durchführten oder ein Glucoseplacebo erhielten, wurden über
einen Zeitraum von 12 Tagen beobachtet. Die Creatingruppe hatte selbstverständlich
größere Muskelcreatinreserven, während allerdings keine Unterschiede in der
Muskelsyntheserate feststellbar waren. Leider trainierten die Versuchsteilnehmer
nicht, so dass letztlich nur festgestellt werden konnte, dass Creatin selbst
keine anabole Wirkung hat. (3)
Es bleibt abzuwarten, ob Probanden, die in einer Creatinstudie auch ein
entsprechendes Muskelaufbautraining absolvieren, größere Muskelsyntheseraten
aufweisen als Sportler ohne Creatin.
1)
Muscle & Fitness, Ausgabe Januar 2001, Seite 14
2) Medicin & Science in Sports & Science, 32(5):S167, 2000
3) Sportrevue, Ausgabe Januar 2001, Seite 17
Problematische
Creatinaufnahme
Die Aufnahme von Creatin durch den Magen-Darm-Trakt ist in der Regel
unproblematisch. Die Schwierigkeiten beginnen erst, wenn es darum geht, das
Creatin auch dorthin zu bringen, wo es uns auch von Nutzem ist. Da Creatin
selbst keinen Insulinausstoss induziert, der notwendig ist, um auch tatsächlich
die Creatinreserven in den Muskelzellen zu vergrößern, führt die isolierte
Einnahme von Creatin zu nichts anderem als zu teurem Urin, da es weitgehendst
ungenutzt über die Nieren ausgeschieden würde.
In einer Studie von 1996 (1) ermittelte man eine Menge von 93 g einfachen
Kohlenhydraten als Initialdosis, die den optimalen Insulinspiegel zur Aufnahme
einer Menge von fünf Gramm Creatin. Im Vergleich zur Einnahme ohne
Kohlenhydrate konnte man so die Aufnahme um 60 Prozent steigern. Wählt man die
Methode der schnellen Aufladung und ergänzt daher mit 5x6 g Creatin täglich,
so nimmt die Menge notwendiger Einfachzucker allerdings kaum mehr vertretbare
Ausmasse an.
Durch die zusätzliche Einnahme von Vanadyl Sulfat, Chrom Piccolinat oder Alpha
Liponsäure versuchten die Hersteller von Nahrungsergänzungen die
Kohlenhydratmenge zu verringern, erhöhten dadurch allerdings auch die Kosten
der Creatin-Verwendung, ohne das Studien bislang eine solche Ergänzung für
sinnvoll erklären konnten.
In einer neueren Studie (2) untersuchte man die Creatinaufnahme mit
verschiedenen Zugaben (fünf Gramm Kohlenhydrate, 50 Gramm Protein/47 Gramm
Kohlenhydrate, 96 Gramm Kohlenhydrate, 50 Gramm Kohlenhydrate). Die Studie kam
zu dem Ergebnis, dass die Aufnahme von Protein-/Kohlenhydrat-Kombinationen,
ebenso effektiv ist wie die Aufnahme der üblichen annähernd 100 g
Kohlenhydrate.
Weiter beobachtete man, dass sich der stimulierende Effekt des Insulins auf den
Creatintransport innerhalb von 24 Stunden verringerte. Ein Ergebnis aus dem
geschlossen werden kann, das nach einer ersten Protein-Kohlenhydrat-Gabe nur
noch geringere Mengen notwendig sein könnten, um die gewünschte
Creatinaufnahme zu erreichen. Für die restlichen Creatingaben könnte man
demnach den Kohlenhydrat-Anteil sogar ganz streichen, da der Effekt innerhalb
eines Tages keinen weiteren Einfluss auf die Creatinaufnahme haben würde.
1)
"Carbohydrate ingestion augments skeletal muscle creatine accumulation
during creatine supplementation in humans."
Am J Physiol 1996 Nov;271(5 Pt 1):E821-6
2) "Protein- and carbohydrate-induced augmentation of whole body creatine
retention in humans."
J Appl Physiol 2000 Sep;89(3):1165-71
Creatin mit oder ohne Protein
Creatin ist heutzutage ein unumstrittenes
Supplement für Muskelaufbau und Kraftzuwachs. Es gibt allerdings sehr viele
Methoden, den bestmöglichsten Effekt zu erhalten und somit die Muskelzuwächse
zu optimieren.
Man muss sich erst einmal im Klaren darüber sein, dass ein hoher und stabiler
Insulinspiegel notwendig ist, um die Muskeln optimal mit Creatin abzufüllen.
Die Frage ist nur, wie erreicht man das. Bei vielen Creatinsupplements ist oft
eine Zuckerart hinzugemischt, um durch die Kohlenhydrate den Insulinspiegel zu
erhöhen. Es wird allerdings sehr selten berücksichtigt, dass es durch die
Kombination von Proteinen und Kohlenhydraten zu einem viel ausgeprägterem
Insulinanstieg kommt, als durch Kohlenhydrate allein.
Creatin fördert zudem die Proteinsynthese, die allerdings logischerweise nur
mit einer ausreichenden Menge an Aminosäuren stattfinden kann. Dies ist ein
weiterer Pluspunkt für die Kombination aus Proteinen und Kohlenhydraten. Sobald
die Muskeln mit Creatin gesättigt sind, verlangsamt sich der
Transportmechanismus. Da nun das Creatin schneller in die Muskeln aufgenommen
als abgebaut wird, entsteht ein Creatin- Überschuss. Dieser Überschuss lagert
sich zum größten Teil im Zwischenzellbereich ab, was zu einer
Wasserspeicherung führt. Diese Wasserspeicherung lässt die Muskulatur weich
und aufgedunsen erscheinen.
Um diesen Effekt zu verhindern sollte man also die Präparate möglichst nach
dem Training, wenn der Überschuss zum grössten Teil verbraucht ist, zusammen
mit einer Protein-Kohlenhydrat-Kombination, z.B. in der Form eines Weight
Gainers einnehmen.
Als zusätzliche Empfehlung sollte man nach dem Training Glutamin zu sich
nehmen, da dieses sowohl die Proteinsynthese als auch die
Kohlenhydratspeicherung verbessert.
Flex, Juli 2000, S.56/57
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